Alle Jahre wieder kehrt ein Naturschauspiel der besonderen Art. Vom 12. auf den 13. August ist es wieder so weit: der Höhepunkt der diesjährigen Perseiden lockt Sternsucher und Träumer unter den Nachthimmel.

Bei den Perseiden handelt es sich um den größten jährlich wiederkehrenden Sternschnuppenschauer, den wir in Deutschland beobachten können. Sein Zentrum liegt im Sternbild des Perseus, das am nord-östlichen Nachthimmel zu sehen ist, daher der Name. Der Beginn ist immer Mitte Juli, es ist also nicht ausgeschlossen, dass man auch jetzt schon die eine oder andere Sternschnuppe entdecken kann. Die Intensität und Häufigkeit nimmt dann täglich zu, bis der Schauer in der Nacht vom 12. auf den 13. August sein Maximum erreicht. Bei guten Bedingungen kann dann mit 100 Sternschnuppen pro Stunde gerechnet werden.

Dieses Jahr fällt die Nacht des Perseiden-Maximums auf einen Freitag – das ist wichtig, da das Sternbild des Perseus – und damit auch die Sternschnuppen, erst relativ spät über den Horizont kommen. Den besten Blick hat man in den dunkelsten Nachtstunden zwischen 2 und 4 Uhr morgens. Leider funkt uns diesen Sommer da ein zeitgleicher Vollmond dazwischen, dieser scheint aber genau auf der anderen Seite des Nachthimmels, im Süden, die Chancen auf einen freien Blick stehen also trotzdem gut.

Die beste Art, einen Sternschnuppenschauer zu genießen ist, sich einen Platz in der Natur zu suchen, fernab von Städten oder Straßen, deren Lichtverschmutzung den Blick auf die Sterne trübt. Idealerweise schlaft ihr am Morgen aus, denn die Nacht wird lang. Packt euch eine Brotzeit ein, warme Schuhe und Decken zum Einwickeln. Vor allem im Sommer unterschätzt man gerne, wie kalt die Nächte werden können. Und besonders wenn es am Tag vielleicht 30 Grad hatte, fühlen sich die 18 Grad in der Nacht regelrecht eisig an. Um das Warten auf die Sternschnuppen erträglicher zu machen, verbindet das ganze doch mit einem Grillabend oder Lagerfeuer. Öffentliche Grill- und Feuerplätze liegen oft an Fluss- oder Seeufern, die gleichzeitig den Horizont „freiräumen“. Nach dem Essen könnt ihr euch dann einfach auf den Boden legen und gemütlich den Himmel beobachten. Geduld zahlt sich aus, denn Sternschnuppen haben die Angewohnheit, genau dann über den Himmel zu huschen, wenn man gerade nicht hinsieht.

Kleiner Bonus: Wer lange genug wach bleibt, kann unterhalb des Perseus einen großen, rötlichen Stern beobachten – den Mars.

Viele werden bei ihrem ersten Anblick der Perseiden überrascht sein, wie etwa eine gute Freundin von mir, die sich gewundert hat, warum die Sternschnuppen alle aus einer anderen Richtung zu kommen scheinen. Das liegt daran, dass auch der aufgeklärte Mensch immer noch dazu neigt, sich als Zentrum des Universums zu verstehen. Tatsächlich sind wir aber winzig – ja, nichtig – weswegen das Verständnis eines Himmelsereignisses wie des Perseiden-Schauers zu einer geradezu erhebenden Demut führen kann.

Die Perseiden bestehen aus der Staubspur eines Kometen mit dem melodischen Namen Swift-Tuttle (nach seinen Entdeckern), der in einer 133-jährigen Ellipse die Sonne umrundet. Diese Staubteilchen stürzen nun eben nicht auf die Erde und verglühen, so wie man sich das, vielleicht ausgehend von Regentropfen, gemeinhin vorstellt. Viel mehr schweben sie im All, und die winzige Erde bewegt sich auf ihrer Umlaufbahn durch sie hindurch. Je nachdem, in welchem Winkel und in welchem Abstand zum Zentrum die Staubteilchen dann auf die Erdatmosphäre treffen, „fallen“ sie im Anschluss in eine andere Richtung. Das kann schon einmal willkürlich aussehen, wenn man aber lange genug hinsieht, lässt sich ganz deutlich das Zentrum ausmachen, von dem die Sternschnuppen ausgehen.

Als ich das damals meiner Freundin erklärt habe, kam die Erkenntnis mit den Worten „Wow, da kommt man sich echt klein vor“ über sie. Aber ich finde gerade das so wunderbar daran. Die Gewissheit, nur ein weiteres unbedeutendes Staubkorn in der unvorstellbaren Ausdehnung des Universums zu sein, wirkt auf mich seltsam beruhigend.

Je „frischer“ der Kometenschweif übrigens ist, umso mehr Sternschnuppen lassen sich beobachten. Bei der engsten Annäherung zwischen Komet und Erde kann man sogar bis zu 350 Sternschnuppen in der Stunde beobachten. Zuletzt ist das zwischen 1991 und 1993 passiert. Bei einer Umlaufzeit von 133 Jahren werden wir zu Lebzeiten also wohl nicht mehr in den Genuss eines solchen Spektakels kommen. Ich finde allerdings den Gedanken zauberhaft, sozusagen unter diesem großartigen Sternregen geboren zu sein.

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